Beschlagnahmung und Backups

Dieses Thema im Forum "Internet-Recht" wurde erstellt von jodost, 19. November 2005.

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  1. jodost

    jodost Eingetragener Provider

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    Hi zusammen,

    angeregt durch einen Thread in "Webhosting Allgemein" stelle ich mir gerade folgende Fragen:

    Was passiert, wenn eines Tages der Staatsanwalt vor der Tür steht oder
    gar im Rechenzentrum steht und einen Webserver beschlagnahmen will, weil da illegale Inhalte drauf sind?

    OK, der Server ist dann weg. Was aber passiert mit dem Backup (gehen wir einfachmal davon aus, dass das im gleichen Rack ein paar HE tiefer sitzt)? Oder mit dem Backup vom Backup, das 100km auswärts gelagert ist? Wandert das gleich alles mit? Was passiert, wenn der Server nicht eindeutig identifizierbar ist? Darf dann sicherheitshalber ein kompletter Schrank beschlagnahmt werden? Und überhaupt, wenn ein Ansprechpartner des Hosters eine Anfahrtszeit von sagen wir mal 2 Stunden hat, darf notfalls der Schrank "ohne Schlüssel" geöffnet werden?

    Oder gibt es bei all dem eine Art Schadensminderungspflicht, so nach dem Motto "wir ziehen erstmal nur den Stecker, um eine Verbreitung der bösen Inhalte und ein Zerstören von Spuren zu verhindern und sprechen weitere Schritte mit dem Hoster ab"?

    Gibt es da Erfahrungen? Welche Befugnisse hat die Staatsgewalt in so einem Fall?

    Klar, das Beispiel, das im Moment in "Webhosting Allgemein" diskutiert wird, spricht nicht wirklich für den Hoster. Und wenn das zu "normalen" Bürozeiten passiert und man persönlich in 15 Minuten vor Ort ist, kann man sicherlich vieles klären.

    Aber ich frage mich gerade, was von den noch so ausgeklügelten Ersatzhardware- und Backup-Strategien übrigbleibt, wenn Murphys Law zuschlägt und einen übereifrigen Staatsanwalt mit dem einzigen Tag im Jahr paart, wo alle Mitarbeiter 500 km und mehr vom Rechenzentrum entfernt sind...

    Gruß

    Joern
    (der gerade froh ist, dass er kein "normales" Webhosting anbietet :)
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. November 2005
  2. RudiFWH

    RudiFWH New Member

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    AW: Beschlagnahmung und Backups

    Aktuelle Sachlage kenne ich nicht. Vor einigen Jahren haben die aber alles mitgenommen, was angeschlossen war. So auch in der Regel ein komplettes Rack erst einmal tot gelegt, obwohl es nur um einen Server ging.

    Oder bei Hausduchsuchungen die Hifianlage mitgenommen, weil die Soundkarte an diese angeschlossen war. ^^

    Auch wurden schon mal in Firmen einfach alle Büro-PC mitgenomme, obwohl es nur um eine Person ging die da wohl was illegales getan hatte.

    Ob die Vorgehensweise immer noch so ist kann ich aber nicht sagen.
     
  3. terrabyte

    terrabyte New Member

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    AW: Beschlagnahmung und Backups

    Backups im Ausland sind eine sehr praktische Sache, wobei ich mit Ausland natürlich Drittländer außerhalb der EU meine, wo die Behörden nicht dran kommen. Dank Rsync ist dies auch ohne großen Trafficaufwand möglich.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. November 2005
  4. Michi.M

    Michi.M Erfahrener Benutzer

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    AW: Beschlagnahmung und Backups

    Kleinere Webhoster sind doch drauf angewiesen wenn man dehnen gleich ganze Server oder Rack nimmt geht es dehnen doch nicht mehr so gut oder ? Hat man da keine Möglichkeit mit Regressforderungen etc. ? Wenn wegen einem Kunden der paar Euros monatlich zahlt gleich ganze Rack mitnimmt ??
     
  5. terrabyte

    terrabyte New Member

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    AW: Beschlagnahmung und Backups

    Ob du pleite gehst interessiert die nicht. Das ist dein Problem. Ich glaube sogar viele Beamte haben Spaß daran Leute fertig zu machen. Das liegt in der Natur des Menschen...früher hatten sie die Hexenverbrennung, heute geilen sie sich an der Vernichtung deiner Existenz auf. So sieht das meiner Meinung nach aus. Und vor Gericht gibt sich der Staat fast immer recht, ist ja logisch. Gerichte gehören zum Staat und die urteilen nur in Extremfällen gegen sich selbst. Das ist wie wenn beim Fussball die eine Manschaft statt 11 Spieler 11.000 Spieler hätte und den Schiedsrichter stellen würde. Da kannst du nicht gewinnen...ist ja das Schöne an unserem System.
     
  6. andymag

    andymag New Member

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    AW: Beschlagnahmung und Backups

    Dem möchte ich zustimmen. Mir sind mal alle Firmenrechner beschlagnahmt worden, ohen Rücksicht auf mein laufendes Geschäft.
    Grund war ein Rechner in meiner Werkstatt, bei dem eine KiPo-CD im Laufwerk lag, was ich selbst angezeigt habe. Danach war ich gut 10 Tage nicht handlungs- und auskunftsfähig.
    Ich für meinen Teil habe daraus gelernt und werde nie wieder so etwas anzeigen.
     
  7. terrabyte

    terrabyte New Member

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    AW: Beschlagnahmung und Backups

    Vor allem interessiert es die Jungs auch nicht ob das was sie tun verhältnismäßig ist. Die legen völlig ohne jeden Grund ganze Betriebe lahm. Mein Eindruck ist wie gesagt dass die Herren Spaß am Sadismus haben...Jedenfalls möchte ich unterstellen dass kein Mensch so dumm sein kann wie sich gewisse Beamte und Politiker gelgentlich anstellen. Ich kann mir solches Verhalten nur mit einem gewissen Grad an Perversität erklären. Aber so funktioniert ja die ganze Gesellschaft (natürlich nicht nur in Deutschland).

    Ich habe übrigens von allen wichtigen Daten verschlüsselte Backups im Ausland. Wenn die Jungs vorbei kommen können sie gerne alles mitnehmen was nicht baulich mit dem Haus verbunden ist.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. November 2005
  8. terrabyte

    terrabyte New Member

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    AW: Beschlagnahmung und Backups

    Lustig ist auch dass Durchsuchungen die nicht rechtens sind trotzdem belastend wirken !!!
    An der Uni in Jura lernen die Professoren dir dass wenn ein Klient Anzeige gegen Polizisten erstatten will man diesem auf jeden Fall davon abraten soll, da sonst eine Gegenanzeige wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt kommt und da dann immer 3 oder 4 Bullen auf einmal gegen dich aussagen und Polizisten in Aussagenpsychologie geschult sind sie genau wissen wie man sich verhalten muss um glaubhaft zu wirken. Es heisst Prozesse wegen Amtsmissbrauch bei Polizisten sind in fast allen Fällen zum Scheitern verurteilt. Also die können echt machen was sie wollen. Die dürften zum Beispiel nicht die Zimmer von Untermietern durchsuchen - machen sie aber einfach trotzdem und du kannst nix dagegen tun, denn sie kriegen vor Gericht nunmal recht. So läuft das halt. Wenigstens ist das besser als in anderen Ländern, denn dort gibt es von den Bullen gleich eins auf die Fresse wenn man nicht spurt.
     
  9. NK

    NK Eingetragener Provider

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    AW: Beschlagnahmung und Backups

    Du schaust zuviele Krimis und schwänzt zu oft den Deutsch-Unterricht.
     
  10. terrabyte

    terrabyte New Member

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    AW: Beschlagnahmung und Backups

    Na wenn du das sagst dann muss es ja stimmen...
     
  11. Inet

    Inet Erfahrener Benutzer

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    AW: Beschlagnahmung und Backups

    Sorry aber das ist Bullshit ³
    Wenn ein Polizist im Dienst sich etwas zuschulden kommen läßt heißt das Dienstaufsichtsbeschwerde und nicht Anzeige.
    Davon hab ich bereits mehr als ein 1/2 Dutzend eingereicht.
    Mit einer Ausnahme wurden die alle eingestellt aber eine Gegenanzeige hats noch nie gegeben.
    Und den Kollegen ist das sowas von egal, dass glaubst du gar nicht.
    Polizisten in Aussagepsychologie geschult ?
    Einen Hauptkommissar hab ich vor Gericht gesehen der während seiner Aussage noch nicht mehr mal seinen Namen wusste.
    Das einzigste was die gelernt haben, ist einen Verdächtigen mit einem erfundenen Vorwurf zu konfrontieren um zu sehen wie der darauf reagiert.
    Und dabei stellen sie sich desöfteren recht drollig an.
     
  12. zielosko.netMedia

    zielosko.netMedia New Member

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    AW: Beschlagnahmung und Backups

    Eine Dienstaufsichtsbeschwerde und eine Anzeige sind schon etwas anderes. Die Dienstaufsichtsbeschwerde die ich eingereicht habe wurde "dienstintern verarbeitet" - eine Rückmeldung was konkret hierbei passiert bekam ich aber nicht. Nur einen zweiseitigen Brief vom Polizeipräsidenten, der sich über mein unverschämtes Verhalten beschwerte...... ;)
     
  13. terrabyte

    terrabyte New Member

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    AW: Beschlagnahmung und Backups

    Also man kann einen Polizisten schon anzeigen... Wenn er seine Kompetenzen überschreitet verstößt er schließlich nicht nur gegen interne Richtlinien sondern macht sich eventuell strafbar. Nur kann man dann mit einer Gegenanzeige wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt rechnen, denn der Polizist wird sich einen Anwalt nehmen, der ihm dazu raten wird zu behaupten man hätte sich gewehrt und deshalb sei die Anwendung von Gewalt erforderlich gewesen. Diese Behauptung soll die Gegenanzeige untermauern.
     
  14. NK

    NK Eingetragener Provider

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    AW: Beschlagnahmung und Backups

    Natürlich kann man das, ist ja auch nur ein deutscher Staatsbürger.

    Woher nimmst du nur diese Behauptungen?
     
  15. Michi.M

    Michi.M Erfahrener Benutzer

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    AW: Beschlagnahmung und Backups

    Man liesst ja immer oft das andere behaupten das es im Ausland besser währe wie jetzt oben im Zitat beschrieben ist. Mit welchen Ländern habt Ihr konkret erfahrungen gemacht die sich z.B. gegen deutsche Gesetze querstellen bzw. die Zusammenarbeit verweigern so das der deutsche Kunde im Ausland geschützt ist und so der Account nicht gesperrt etc. wird.
     
  16. terrabyte

    terrabyte New Member

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    AW: Beschlagnahmung und Backups

    Das haben im Studium tatsächlich die Professoren und im Praktikum auch Anwälte erzählt. Ich glaube das auch. Warum sollten sie lügen.
     
  17. terrabyte

    terrabyte New Member

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    AW: Beschlagnahmung und Backups

    Nein, das wollte ich damit nicht sagen. Ich meine nur wenn ich meine Backups in D habe dann werden auch die Backups beschlagnahmt. Habe ich aber Backups in den USA wird der Staat erst nach dem Zugriff vom Backup erfahren und die Amtshilfe kann Monate dauern. Während dieser Zeit kann ich die Backups der legalen Accounts wieder herstellen. Es geht dabei nicht darum illegalen Content aufrecht zu erhalten, sondern ich verliere sonst ja ALLE Daten und Backups, auch die legaler Kunden und bekomme sie evtl. erst Monate später zurück. Bei Backup im Ausland kann der Staat erstmal nicht meine Backups beschlagnahmen und ich kann die legalen Accounts wieder herstellen.
     
  18. Michi.M

    Michi.M Erfahrener Benutzer

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    AW: Beschlagnahmung und Backups

    Nein das wollte ich dir auch nicht unterstellen sondern mir ging es nur um die Nennung von Staaten die nicht mit deutschland kooperieren. Heutzutage geht es ja schon beim kleinsten Fehler auf der Seite los mit Abmahnungen etc.
     
  19. jodost

    jodost Eingetragener Provider

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    AW: Beschlagnahmung und Backups

    interessanter Ansatz. Um zurück zu meiner Ursprungsfrage zu kommen (die Diskussionen über was-darf-die-Polizei-und-wann-hagelt-es-Gegenanzeigen bringt ja doch nix): Wäre ein solches Verhalten (weil man eben sonst das Risiko hat, dass auch ein mehrstufiges Backupsystem beschlagnahmt wird) ernsthaft sinnvoll, oder ist das auch für die Tonne (weil ich mich strafbar machen würde, wenn ich die USA-Backups nicht freiwillig rausrücke, oder mache ich gerade einen Denkfehler)?

    Da wir keine Privatkunden haben, halte ich das Risiko für sehr überschaubar *g*, aber der Gedanke, dass wegen einer blöden einzelnen MP3-Datei (bewusst anderes Extrem gewählt) plötzlich "sicherheitshalber" zwei Meter Hardware beschlagnahmt werden könnten, ist doch wenig beruhigend...

    Gruß

    Joern
     
  20. terrabyte

    terrabyte New Member

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    AW: Beschlagnahmung und Backups

    Wieso solltest du dich strafbar machen wenn du legale Backups wieder herstellst. Dass die Behörden nur über Amtshilfe an die Server kommen ist ja deren Problem. Allerdings kann dir das ja dann egal sein denn bis die Behörden die Amtshilfe durch haben hast du deine Backups ja längst wieder hergestellt und den Betrieb der Seiten anderer Kunden somit aufrecht erhalten und darum geht es ja. Andere Mittel sehe ich nicht. Bei Backups im selben Land wie die Haupt-Server hast du immer ein gewisses Risiko. Wenn du wirklich Server suchst die für Deutschland nicht erreichbar sind kann ich dir Mittel und Süd-Amerika empfehlen. Allerdings kenne ich dort keine Anbieter.
     
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