Tickets o. emails vor Gericht

Dieses Thema im Forum "Internet-Recht" wurde erstellt von testaccount, 2. Januar 2006.

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  1. testaccount

    testaccount New Member

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    Schön gutn Abend,
    wie wir ja -fast- alle wissen, haben emails vor Gericht nur sehr wenig bzw. gar keinen bestand.
    Jetzt kam mir grad beim duschen aber die Idee, wie es sich mit Supporttickets verhält. Also Anfragen und Dienstleistungen die per Interface (mit Login usw.) geregelt werden. Diese werden bei den meisten Providern ja gespeichert, kann soetwas verwertet werden?


    danke
     
  2. RA Dr. Bahr

    RA Dr. Bahr Erfahrener Benutzer

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    AW: Tickets o. emails vor Gericht

    Guten Abend!

    Ich sehe - in rechtlicher Hinsicht - keinen Unterschied in puncto Supporttickets und Mails.

    1. Auch die Mails werden ja beim Provider gespeichert, nicht nur die Supporttickets.

    2. Auch die Supporttickets werden digital erzeugt und sind - genauso wie Mails - ebenso manipulationsanfällig.

    Alles Gute

    Martin Bahr
     
  3. Günstig-Webspace

    Günstig-Webspace New Member

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    AW: Tickets o. emails vor Gericht


    Frag mal den "Kollegen" von OSTSEEMedien.

    Der wird dir bestätigen können, das eMails vor Gericht einen "ganz guten" Bestand haben.

    Gruß
     
  4. freelancer

    freelancer Erfahrener Benutzer

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    AW: Tickets o. emails vor Gericht

    Emails haben imho nur insofern rechtliche Relevanz als sie authentifiziert sind, also z.B. signiert wurden.
    Bei Supporttickets gestaltet sich die Frage analog bzgl. des Suppportszuganges. Hier implementieren die Anbieter allerdings in den meisten Fällen Lösungen, die nicht diesen Kriterien entsprechen dürften.

    Beste Grüsse
     
  5. andymag

    andymag New Member

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    AW: Tickets o. emails vor Gericht

    Ist nur komisch, dass ich nicht nur von einem Zivil-Verfahren weiss, in dem die E-Mail-Kommunikation der zentrale Dreh- und Angelpunkt war und auf deren Grundlage geurteilt wurde. Und da war auch nie was signiert. In einem aktuellen Verfahren von mir sind auch E-Mails ausgedruckt bei den Unterlagen und bisher hat sich noch niemand drüber beschwert.
     
  6. gill

    gill Erfahrener Benutzer

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    AW: Tickets o. emails vor Gericht

    Es scheint hier sehr auf das jeweilige Gericht anzukommen. Der Kollege Schuhmacher (networksolutions) hat ja auch schon mehrfach berichtet, dass Emails vor Gericht als Beweismittel zugelassen wurden.

    Wir haben (vor anderen Gerichten) gegenteilige Erfahrungen gemacht.
     
  7. Günstig-Webspace

    Günstig-Webspace New Member

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    AW: Tickets o. emails vor Gericht

    Ich denke das kommt auch viel darauf an, ob die Gegenseite bestreitet, das die eMails von dort kommen.

    Gruß
     
  8. gill

    gill Erfahrener Benutzer

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    AW: Tickets o. emails vor Gericht

    Naja, wenns um Forderungen geht wird die Gegenseite wohl in der Regel bestreiten, dass sie die Emails verschickt hat.
     
  9. Günstig-Webspace

    Günstig-Webspace New Member

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    AW: Tickets o. emails vor Gericht


    JEIN,

    wenn es nur eine einzige Mail war vielleicht. Aber wenn es sich um eine Diskussion aus mehreren Mails handelt, kannst du das nicht so leicht bestreiten.

    Ist jedenfalls meine Erfahrung damit vor Gericht.

    Gruß
     
  10. networksolutions.de

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    AW: Tickets o. emails vor Gericht


    ohne h =)

    also ich kommuniziere mit dem Gericht teilweise per eMail, ansonsten per Fax, (aber beim AG ist alles anders)

    In diversen Verfahren vor LG's und OLG's sind eMails zentraler Bestandteil gewesen. Bei Vorlage von Headern und Logfileauswertungen liegt es im Ermessen des Gerichts dem ganzen Glauben zu schenken. Es ist aber eher selten, dass jemand den Versand resp. Inhalt einer geschriebene eMail nachträglich bestreitet.
     
  11. RA Dr. Bahr

    RA Dr. Bahr Erfahrener Benutzer

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    566
    AW: Tickets o. emails vor Gericht

    Guten morgen!

    Um es noch einmal relativ deutlich zu sagen:

    Selbstverständlich können E-Mails grundsätzlich als Beweismittel eingesetzt werden. Sie sind nicht von vornherein untauglich oder unzulässig.

    In der Praxis ist aber die entscheidende Frage, ob und was sie genau beweisen.

    Wichtig zu wissen ist, dass wenn in einem Zivilverfahren die Gegenseite etwas gar nicht bestreitet, es auch gar nicht auf die Beweismittel ankommt, da das Gericht in einem solchen Fall dann davon ausgeht, dass der von der Klägerseite vorgetragene Sachverhalt zutreffend ist. Im Zivilverfahren klärt das Gericht den Sachverhalt nicht von sich aus auf (wie z.B. in einem Strafprozess), sondern ist stets an das gebunden, was beide Parteien behaupten. Und wenn eine nicht bestreitet, dass es anders war, heißt das automatisch, dass es so war wie der andere gesagt hat.

    Wenn nun bestimmte Umstände bestritten werden und es auf die E-Mails ankommt, dann gilt folgendes:

    Die Rechtsprechung beurteilt uneinheitlich, ob und wenn ja welchen Beweiswert eine E-Mail hat.

    Das AG Bonn (Urt. v. 25.10.2001 - Az.: 3 C 193/01) ist der Ansicht, dass angesichts der Tatsache, dass der Text einer E-Mail jederzeit veränderbar sei, dieser keinerlei Beweiswert zukomme. Das ArbG Frankfurt a.M. (Urt. v. 09.01.2002 - Az.: 7 Ca 5380/01) vertritt die gegenteilige Ansicht. In ähnlicher Weise, aber einschränkend das AG Ettlingen (Urt. v. 11.05.2001 - Az.: 2 C 259/00).

    Ergebnis: Das wird immer eine Frage des Einzelfalls sein. Ist der einzige Beweis in einem Prozess eine E-Mail, dann sieht es ziemlich düster aus. Passt dagegen die E-Mail in eine Vielzahl von sonstiger Beweise (Dokumente, Zeugenaussagen) oder einfach in den natürlichen Geschehensablauf, dann spricht vieles dafür, dies als Beweis zu akzeptieren oder in jedem Fall eine Beweisumkehr anzunehmen.

    Alles Gute

    Martin Bahr
     
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