Verdacht bei Online-Betrug

Dieses Thema im Forum "Internet-Recht" wurde erstellt von speedway, 13. Juni 2015.

  1. speedway

    speedway Eingetragener Provider

    Registriert seit:
    17. August 2007
    Beiträge:
    16
    Firmenname:
    Worlddomains
    Anbieterprofil:
    Klick
    Ich hätte gerne mal erfahren, wie andere Provider reagieren, wenn sie erfahren, das ev. ein Kunde die Webseiten dazu
    benutzt, Betrügereien zu begehen. Speziell handelt es sich dabei um Online-Lotterie-Webseiten, ohne nun konkret auf den Fall einzugehen.

    Wir handhaben bei ev. Anfragen das so, das wir auf den Rechtsweg verweisen, d.h. Anzeige bei Staatsanwaltschaft oder Polizei.
    Die kontaktieren uns dann schon, wenn es strafbare Handlungen geben sollte. Wir sperren den Kunden jedoch nicht aufgrund dieser
    privaten Beschwerde. Die könnte ja falsch sein.

    Wie reagieren also andere Provider hierzu? Wann sperren diese den Kunden - schon ev. vor einem rechtskräftigen Urteil oder erst
    nach Gerichtsbeschluss. Ich frage auch deshalb, weil ich mir Situationen vorstellen kann, das Ermittlungen zwar eingeleitet, diese
    dann aber danach eingestellt werden, da sich nichts illegales finden liess. Sperre ich den Kunden aber schon vorher, wären m.E. Schadensersatzklagen möglich.
    Daher sperren wir erst nach behördlicher Aufforderung von Gericht/Staatsanwalt usw.

    Wäre sehr interessant zu wissen, wie ihr das handhabt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Juni 2015
  2. Web-Service4U

    Web-Service4U Eingetragener Provider

    Registriert seit:
    8. September 2010
    Beiträge:
    235
    Geschlecht:
    männlich
    Ort:
    Pasewalk
    Firmenname:
    Web-Service4U
    Anbieterprofil:
    Klick
    Guten Morgen,

    wenn uns eine solche Beschwerde erreicht, fordern wir grundsätzlich eine Stellungnahme beim Kunden an. Ist seine Antwort plausibel, verweisen wir den Beschwerdeführer auf den Rechtsweg. Antwortet der Kunde nicht, prüfen wir die Beschwerde selbst im Rahmen unserer Möglichkeiten. Ergibt diese Prüfung, dass der Beschwerdeführer Recht haben könnte und der Kunde reagiert nicht auf unsere Anfrgen, sperren wir den Kundenaccount, schon um nicht in Mitstörerhaftung zu geraten.
     
  3. jodost

    jodost Eingetragener Provider

    Registriert seit:
    23. März 2004
    Beiträge:
    769
    Firmenname:
    D&T Internet GmbH
    Anbieterprofil:
    Klick
    Erstmal selbst gucken, was genau Sache ist. Unter Online-Lotterie stelle ich mir alles mögliche vor, von "seriös, aber "nur" in Deutschland nicht erlaubt" bis hin zu "phishing zum Abgreifen von KK-Daten".

    Dann gucken, ob der Kunde das wirklich bewusst betreibt oder zB sein Webspace missbraucht wird.

    Und je nach dem, was dabei rauskommt, kann dann alles mögliche passieren, von "sorry, wir sind nicht zuständig" über Rücksprache mit dem Kunden bis hin zu sofortiger Sperrung hatten wir alles schon mal.

    Eine Faustregel gibt's bei uns nicht (außer: Unser Kunde zahlt Geld dafür, dass wir ihn stabil hosten. Darum wird, wenn möglich, erst gefragt und dann erst geschossen), dafür ist jeder Fall zu individuell.
     
  4. PHP-Friends

    PHP-Friends Eingetragener Provider

    Registriert seit:
    5. Mai 2014
    Beiträge:
    77
    Firmenname:
    PHP-Friends
    Anbieterprofil:
    Klick
    Guten Morgen,

    ein absolut standardisiertes Vorgehen führt aus meiner Sicht langfristig zu Entscheidungen, die den Kunden benachteiligen. Daher ist es wichtig, den jeweiligen Einzelfall abzuwägen und im Zweifelsfall für den Kunden zu entscheiden. Grundsätzlich habe ich den Eindruck, dass viele Provider sich viel zu schnell gegen ihren eigenen Kunden stellen (nur durch die zu toppen, die bei einer Abuse-Message sofort sperren...). Ja, es gibt eine Mitstörerhaftung, aber die ist kein Grund, seinem Kunden bei nicht 100%-iger "Beweislage" sofort den Saft abzudrehen.

    Wenn man selbst als Provider keine eindeutige Entscheidung treffen kann, sollte eine Sperrung allenfalls dann erfolgen, wenn sich der Kunde nicht oder nicht vernünftig zu dem Vorfall äußern kann. Ein nicht zu verachtender großer Teil der (wenigen) Abuses, die wir erhalten, werden von Leuten verfasst, die keinerlei Rechtsanspruch auf eine Abschaltung des beanstandeten Kunden haben, sondern nur versuchen, eine Konkurrenzwebseite auf diese Art und Weise loszuwerden. Diese Leute hoffen darauf, dass wir schlichtweg bei einer nichtüberprüfbaren Anschuldigung den vermeintlich sicheren Weg der Kundenabschaltung wählen.
     
    NaTeK-ID und speedway gefällt das.
  5. Web-Service4U

    Web-Service4U Eingetragener Provider

    Registriert seit:
    8. September 2010
    Beiträge:
    235
    Geschlecht:
    männlich
    Ort:
    Pasewalk
    Firmenname:
    Web-Service4U
    Anbieterprofil:
    Klick
    Selbstverständlich ist der einzelfall abzuwägen, aber gerade das sollte nach einem standardisierten Verfahren erfolgen, was auch transparent dem Kunden kommuniziert wird.
    Deinen Eindruck begründest Du genau womit?
    Das hat auch niemand behauptet. Aber eine PLAUSIBLE Erklärung bzw. Darstellung der Sichtweise des Kunden ist schon erforderlich. Wir benötigen schließlich Anhaltspunkte, wie wir das Verfahren weiterführen. Das ist ja gerade im Kundeninteresse.
    Genau so meine ich das auch.
    Kann ich nicht bestätigen. Wir haben in den letzten 4 Jahren 2 derartige Abuses gehabt. Eine davon wurde per Obergerichtsvollzieher persönlich zugestellt. Ich bin fast in Ohnmacht gefallen. Da habe ich allerdings nach Anhörung des Kunden sperren müssen, da die vorwürfe nicht zu entkräften waren.
     

Diese Seite empfehlen