Wettbewerbsrecht, Stichwort "Know-How"

Dieses Thema im Forum "Internet-Recht" wurde erstellt von x-t-c, 9. Mai 2008.

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  1. x-t-c

    x-t-c Guest

    Folgende Fragestellung:

    Ein Unternehmen wirbt auf seiner Internetseite mit Spezialwissen zu irgendeinem Fachgebiet.
    Es stellt sich heraus, dass dieses Spezialwissen

    a) garnicht vorhanden ist und/oder
    b) bei Bedarf dazugekauft wird bzw. werden muss

    Frei nach dem Motto "ich biete mal alles an, wenns wirklich einer haben will, kümmere ich mich um die Beschaffung".

    Wie ist so etwas Wettbewerbsrechtlich zu würdigen?

    Ich finde, im Gegensatz zu hanebüchenen Argumentatioen, wenn auf irgendeiner kleinen Website kleinere Formfehler sind, die dann abgemahnt werden, ist es schon von viel erheblicherer Natur, wenn Angebote auf Webseiten gemacht werden, zu deren Erfüllung der Anbieter garnicht wirklich im Stande ist.

    Als Kunde besucht man die Website eines angeblich spezialisierten Unternehmens und es finden sich am Ende nur Verkaufsrethoriker mit äußerst beschränktem Know-How.

    Konkreter. Jemand wirbt auf seiner Website neben dem nicht vorhandenen Spezialwissen ebenfalls mit einer Infrastruktur, die es zum Zeitpunkt des Lesens garnicht gibt. Auf Anfrage windet sich der Anbieter mit Argumenten wie "derzeit ausgebucht" usw. heraus.
    Darüber hinaus wirbt er mit Nutzer- bzw. Kundenzahlen, die ebenfalls frei erfunden sind.

    Wie ist da die Handhabe? Auch hier sehe ich eine klare Wettbewerbsverzerrung aus Sicht des Kunden oder auch Mitbewerbers.

    Für etwas Aufhellung in dieser hypothetischen Fragestellung wäre ich dankbar.
     
  2. freelancer

    freelancer Erfahrener Benutzer

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    AW: Wettbewerbsrecht, Stichwort "Know-How"

    klingt für mich nach §5 UWG
    http://www.bundesrecht.juris.de/uwg_2004/__5.html

    beste grüsse
     
  3. [netcup] Felix

    [netcup] Felix Eingetragener Provider

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    AW: Wettbewerbsrecht, Stichwort "Know-How"

    Wie will man es aber mit Mitbewerber nachweisen das er dümmer ist als er auf seiner Website angibt?
     
  4. gill

    gill Erfahrener Benutzer

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    AW: Wettbewerbsrecht, Stichwort "Know-How"

    Genau da wird das Problem liegen.
     
  5. Henry.Hill

    Henry.Hill Guest

    AW: Wettbewerbsrecht, Stichwort "Know-How"

    Fall a:
    Wenn man eine Leistung verspricht und weiß dass man sie von vorne herein nicht erbringen kann und dem Kunden dadurch einen Schaden verursachen wird dann ist das Betrug.

    Fall b:
    Hier ist nur dann etwas auszusetzen wenn er damit wirbt die Leistung selbst zu erbringen. Outsourcing oder das Einstellen von Freelancern etc. ist ja nicht zu beanstanden.
     
  6. x-t-c

    x-t-c Guest

    AW: Wettbewerbsrecht, Stichwort "Know-How"

    @all

    Etwas konkreter. Ihr werdet es unter Euren Hosting-Kollegen sicherlich hin und wieder bemerken, dass jemand mit Kunden- oder Domanzahlen um sich wirft, die vorne und hinten nicht stimmen.

    Es kommt also ein Anbieter daher und sagt z.B. "über 100.000 zufriedene Kunden" oder "58 Mrd. registrierte Domains". Und nun? :)

    Wer ist in der Beweispflicht?
     
  7. x-t-c

    x-t-c Guest

    AW: Wettbewerbsrecht, Stichwort "Know-How"

    Beispiel: Es wirbt einer mit Kompetenzen aus einem bestimmten Fachgebiet.
    Nehmen wir Loadbalancing. Du stellst fest, dass am anderen Ende des Telefons noch nichtmal der Unterschied zwischen RoundRobin und weighted RoundRobin geläufig ist. Also wirkliche Basics in dieser Thematik. Dann wirst Du auf "Partnerschaften" verwiesen, die angeblich existieren usw. usf.
    Es geht also in die "Schwafel" Ecke. Der Partner stellt sich als Freelancer, Student im 6. Semester usw. heraus.

    Das beworbene Ersatzteillager existiert nicht und für ca. die Hälfte der angebotenen Services existiert noch nichtmal der Ansatz eines Plans nach Informationen eines früheren Angestellten, den ich an anderer Stelle kennengelernt hatte. Wenn, müsste eine angebotene Leistung zunächst beim Provider (Hoster des Rootservers) angefragt werden etc. pp.
     
  8. Henry.Hill

    Henry.Hill Guest

  9. irz42

    irz42 Eingetragener Provider

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    AW: Wettbewerbsrecht, Stichwort "Know-How"

    Ach Gottchen, wenn ich mich auf den Webseiten der eingetragenen Providern umschaue, ist es schon erstaunlich, wie oft von "unserem RZ" gesprochen wird. Oder meint der Webtextschreiber "das von uns genutzte RZ"? Wenn es z.B. danach geht müsste Deutschland vollgepappt mit RZs sein.

    Sicher gibt es eine Grenze, ab der es für den Kunden teuer oder gar gefährlich wird.

    Wichtig sind für den Kunden 2 Dinge:
    1) Das sein Auftrag erfolgreich umgesetzt wird
    2) Das es bei einem Problem gelingt, dieses schnell zu beseitigen

    Wenn ich mir die Ketten von Kunde bei -> Kunde bei -> Kunde bei anschaue, frage ich mich, wie dort ein Eskalationsmanagment definiert ist, auf dass sich ein Kunde verlassen kann. OK, aber dass soll eben auch nicht mein Problem sein. Auch Kunden sollten in der Lage sein mit Whois und Traceroute zu arbeiten - oder sich beraten lassen.

    Ich habe in der Vergangenheit als "geliehene Hilfskraft" für T-Systems, Compunet, ADA, NK Network und andere gearbeitet. Sind das alles "Lügenfirmen", weil sie dem Kunden Kompetenz vorgegaukelt haben, die sie selbst nicht hatten? Oder zählt am Ende, dass der Kunde mit der Gesamtdienstleistung zufrieden ist?

    Mal meine 2-4c
     
  10. x-t-c

    x-t-c Guest

  11. x-t-c

    x-t-c Guest

    AW: Wettbewerbsrecht, Stichwort "Know-How"

    Also dich persönlich habe ich ja nicht angesprochen. Bitte berücksichtige das. Die Frage war allgemein gehalten.

    Der von dir erwähnte Punkt 2) ist es eben.
    Wenn jemand Geschäfte im sicherheitsrelevanten Bereich machen will, aber null Ahnung hat, jedoch in dem Wissen, dass die angepeilten Kunden wahrscheinlich ebensowenig Ahnung von der Materie haben und sich ja deswegen an scheinbar kompetente Anbieter wenden, seinen Kram feilbietet, kann die magische Grenze durchaus überschritten sein.

    Wenn ein 0,49 Cent Webhostingkunde anfängt zu weinen, weil keine Backups seiner oberwichtigen Daten vorhanden sind, dann handelt er selbst grob fahrlässig. Verhältnismäßigkeit eben.

    Wenn ein Kunde jedoch richtig Asche auf den Tisch bei einem Anbieter blättert für z.B. Backupinfrastruktur, die am Ende garnicht vorhanden ist, dann ist das ein starkes Stück.
    Noch hats ja keiner bemerkt, weil es noch zu keinem GAU kam....

    Und da sind wir bereits in der Grauzone. Zunächst bzw. scheinbar ist der Auftrag erfolgreich ausgeführt. Bis zu dem Tage, an dem ein Backup benötigt wird ;-)

    Aber eigentlich gehts auch darum mal zu hinterfragen, wie sich ein Unternehmen als Netzwerkspezialist inkl. Security und High Availability profilieren/darstellen kann, ohne einen einzigen Fachmann auf der Gehaltsliste zu haben und als Zulieferer irgendeinen Hosting/Housingprovider und ab und an mal einen mehr oder weniger schlecht bezahlten Studenten vorzuweisen hat.

    Ist das Vorgaukeln von Kompetenzen und Fachwissen mit Gewinnerzielungsabsicht nun also Wettbewerbsrechtlich fragwürdig, wenn das Unternehmen die Leistung lediglich durch Zukauf in der Lage ist, die angebotenen Leistungen zu erbringen oder nicht?

    Für mich hat das den Hauch eines 56 Jahre alten Öltankers unter Panama-Flagge :)
     
  12. irz42

    irz42 Eingetragener Provider

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    AW: Wettbewerbsrecht, Stichwort "Know-How"

    Ich habe weder mich, noch das Unternehmen für das ich arbeite, angesprochen gefühlt. Ich erkenne Schuhe die mir nicht passen :)

    Das Problem hast Du auch, wenn Du Lebensmittel einkaufst: Ist das Fleisch wirklich frisch? Vertrauen und Informationen über Geschäftspartner sind die Zauberworte.

    Kunden, die richtig Geld auf den Tisch legen, lassen sich vorab beraten, schauen sich das RZ an, führen im Vorfeld Gespräche (auch im Beisein von Techniker) über die Umsetzung. Zumindest ist dies bei uns so, dass es in diesem Bereich eher nicht so ist, dass ein Server per Mail bestellt und per Paypal bezahlt werden :)

    Sowas stellt sich typischweise in den Vorgesprächen schnell heraus. WENN aber ein Unternehmen seine Server einfach nur irgenwo "abkippt", so haben die Entscheider selbst schuld und gegen ihre Sorgfaltspflicht verstossen. Auch in diesem Bereich greift die Selbstreinigung der Wirtschaft :)
     
  13. G.Schuster

    G.Schuster Eingetragener Provider

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    AW: Wettbewerbsrecht, Stichwort "Know-How"

    Was genau möchtest du jetzt eigentlich wissen?
    Ob es Betrug ist, Leistung zu verkaufen, die nicht vorhanden ist oder ob es wettbewerbsrechtlich bedenklich ist, Know-How einzukaufen?
    Du vergleichst nämlich gerade knallrote Äpfel mit quietschgelben Birnen.

    Warum?
    Genz einfach.
    Wenn ich schreibe, ich hätte eine Backup-Infrastruktur, die ich aber zu keinem Zeitpunkt vorweisen kann, ist das offensichtlicher Betrug.
    Wenn ich aber schreibe, ich kann dies und jenes (im Sinne von Know-How) leisten und kaufe dies dann zum geforderten Zeitpunkt extern zu habe ich die versprochene Leistung erfüllt.
    Das eine ist Know-How (zum Zeitpunkt des Bedarfs zu erbringen), das andere ist Hardware (während der gesamten Laufzeit zu erbringen).

    Lege dich also bitte fest, ob es dir jetzt wirklich um Know-How-Zukauf geht oder ob du wissen möchtest, ob nicht erbringbare Leistungen Betrug sind.
     
  14. x-t-c

    x-t-c Guest

    AW: Wettbewerbsrecht, Stichwort "Know-How"

    Meiner Erfahrung nach gibt es noch die Welt dazwischen.
    Platt in eine Schublade gesteckt fängt der deinerseits angesprochene Kunde da an, wenn er > 2 Vollzeitstellen im IT-Bereich bereits selbst besetzt hat.
    Dann kann man davon ausgehen, dass ordentlich recherchiert wird wenn es um den Einkauf von derartigen Dienstleistungen geht.

    Wenn alles so schön klar wäre, gäbe es ja keine Probleme mehr - und auch deutlich weniger Arbeit für mich :)

    Aber stell dir bzw. stellt euch mal vor am Bahnhof ist eine Reihe von Taxis.
    Wer nimmt schon an, dass zwei Fahrer davon überhaupt keinen Führerschein haben?
    Es wird in der Darstellung ja keinerlei Hinweis oder Anhaltspunkt gegeben. Im Gegenteil.
     
  15. x-t-c

    x-t-c Guest

    AW: Wettbewerbsrecht, Stichwort "Know-How"

    @Schuster

    Siehe oben den Taxivergleich.
    Ich spreche ja bewusst die Grauzone an. Wo fängt es an, wo hörts auf?
    Offenbar greifen fragwürdige Anbieter zu allen Mitteln, um entsprechenden Umsatz zu erzeugen.
    Sie beschränken sich nicht auf Äpfel oder Birnen.

    Natürlich kann ich sagen, ich kenne mich mit Cisco und IOS aus, wobei ich noch kein einzigstes dieser Geräte selbst gebaut habe.

    Wenn ich diese Behauptung aber aufrecht erhalte, mich aber noch nie im Leben auf so ein Gerät eingeloggt habe und nur einen kenne, der vermutlich einen kennt, der sich damit auskennt, auf den ich im Bedarfsfalle zurückgreifen könnte...

    Dies im Zusammenhang einer Darstellung, man wäre der richtige Ansprechpartner für geschäftskritische Aufgabenstellungen.

    Ist das nun unlauterer Wettbewerb oder nicht?

    Wenn kleine Rootserverinhaber herumposen und sich eine "Konzernwebsite" um ihre Angebote basteln, dann mag das ja noch goldig sein. Im Hochverfügbarkeits- und Sicherheitsbereich könnte das aber anders sein.
     
  16. G.Schuster

    G.Schuster Eingetragener Provider

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    AW: Wettbewerbsrecht, Stichwort "Know-How"

    Es kommt extrem darauf an, was genau angeboten wird.

    "Netzwerkinstallation mit Cisco, Know-How vorhanden": Zukauf problemlos machbar, kein unlauterer Wettbewerb
    "Netzwerkinstallation mit Cisco, Know-How bei eigenen Technikern vorhanden": nicht machbar, wenn kein Techniker vorhanden ist, der das kann

    Ich würde behaupten dass du kaum Chancen vor Gericht hast, so lange nicht Sätze wie in Beispiel 2 fallen, da es eine durchaus legitime Strategie ist, sämtliche Dienstleistungen nur extern einzukaufen.
    Oder hast du schon mal einen Versicherungsmakler gesehen, der einen Schaden reguliert?
     
  17. Henry.Hill

    Henry.Hill Guest

    AW: Wettbewerbsrecht, Stichwort "Know-How"

    Moment mal, sind eigene Techniker nicht auch irgendwie zugekauft ? Ich finde in Zukunft darf Mercedes nurnoch Autos verkaufen die der Vorstand selbst gebaut hat ! Ach was sag ich ? Die Aktionäre !!

    LOL !
     
  18. MW_Internet

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    AW: Wettbewerbsrecht, Stichwort "Know-How"


    Schlecht nur, wenn der Anbieter "KnowHow" offeriert, es selbst dann bei jemandem einkauft, der seinerseits genauso verfährt usw. Am Ende der Kette kommt es dann dazu, dass die Anfrage von einem selbst wieder auf dem eigenen Tisch landet...
     
  19. G.Schuster

    G.Schuster Eingetragener Provider

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    AW: Wettbewerbsrecht, Stichwort "Know-How"

    Passieren könnte das, unlauter ist es mMn dennoch nicht.
     
  20. Henry.Hill

    Henry.Hill Guest

    AW: Wettbewerbsrecht, Stichwort "Know-How"

    Na das ist ja der beste Fall: Dann bekommst du das gekaufte Produkt und wirst auchnoch bezahlt dafür ;)
     
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